Erdgeschichte

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Am 21. April 1996 wurde die Geologische Sammlung in der Erdgeschichtlichen Abteilung neu eröffnet. Nach den neuesten museumswissenschaftlichen und -pädagogischen Erkenntnissen wurde die Schausammlung gegenüber der alten Ausstellung (30 Jahre Standzeit) gestrafft und die Präsentationsform aufgelockert. Neukonzeption und Aufbau der Schausammlung sollen eine Möglichkeit aufzeigen, wie auch in kleineren Museen großzügige Präsentationsformen mit höherem Erlebniswert für den Besucher zu verwirklichen sind, als es über Darstellungen in traditionell einheitlichen Glasvitrinen zu erreichen wäre.

Ausstellungsschwerpunkt bildet die in Fachkreisen weltbekannte Sammlung der 258 Mill. Jahre alten Reptilfährten der Permzeit aus den Steinbrüchen von Cornberg und Rockensüß, die in einem Dünenpanorama eindrucksvoll präsentiert werden.
Der Kupferschiefer enthält in großer Anzahl Versteinerungen, fossile Überreste von Meeres- und Landtieren wie auch Pflanzen aus dieser Zeit. Einige von ihnen sind u.a. in der Vitrine Kupferschiefer - Fauna und Flora zu sehen.

Bis 1957 wurden im Richelsdorfer Gebirge die Erze des Kupferschiefers bergbaulich gewonnen. Der Inhalt zweier Vitrinen nimmt Bezug auf diesen Themenkomplex. Die große Vitrine Kupferschieferbergbau, äußerlich mit den betreffenden Gesteinsschichten in ihrer Abfolge übereinander bemalt, enthält als originalgroße Stollendioramen zwei Rekonstruktionen der im allgemeinen nur 50 cm hohen Kupferschieferabbaue. Eindrucksvoll werden die Arbeitsbedingungen der Bergleute im Richelsdorfer Gebirge vermittelt. Mit bergmännischem Werkzeug und Gerät sowie Gesteins- und Produktproben ist der für unseren Raum ehemals bedeutsame Erz- und Mineralienabbau vertreten.

Die Vitrine Geologie - Kreisgebiet enthält eine exemplarische Auswahl von Erzstücken aus dem Kupferschiefer, Kobalt- sowie Schwerspatabbau und weist auf den heute in voller Blüte stehenden Gipsabbau innerhalb der Zechsteinlandschaft unseres Kreises hin.

Die Vitrine Tiere der Eiszeit beinhaltet vor dem Hintergrundfoto des „eiszeitlichen“ Fuldatal u.a. Knochen und Zähne von Großwirbeltieren, die im Fuldakies und in den Gipsschlotten von Heinebach und Ellenbach gefunden wurden. Ein Einblick in die Großlebewelt unserer Landschaft zur Zeit der unwirtlichen Vergangenheit vor ca. 25 000 Jahren wird hier vermittelt.
Die am 17. Dezember 1998 eröffnete vor- und frühgeschichtliche Abteilung zeigt in drei Vitrinen Funde aus der Stein-; Bronze- und Eisenzeit. Texte und Zeichnungen erläutern Funktion und Herkunft der Funde. Auf einer Karte des Altkreises Rotenburg sind die Fundorte markiert, bedeutende Fundorte näher erläutert.
Vorbei an einer Obstpresse aus dem Kloster Cornberg geht es in die I. Etage zur Volkskundlichen Sammlung.

Von hoher landesgeschichtlicher und kartographischer Bedeutung sind die 1617 entstandenen „Rotenburger Ämterkarten“, 21 Tafeln ‘kartografische Aufnahmen hessischer Ämter’ des Kartografen Wilhelm Dillich, das vermutlich älteste hessische Gesamtkartenwerk. Hier wird die Besonderheit der zeitgenössischen geografischen Raumerfassung und die Entwicklung des hessischen Territorialstaates vermittelt.

Anhand einer barocken Fachwerkwand (erbaut 1726) werden Bauweise und Möglichkeiten der Ausschmückung, wie figürliche Schnitzereien, Akanthuswerk, Lorbeerstäbe und Schreckköpfe, gezeigt. Im offenen Gefache kann das „Innenleben“ betrachtet werden.




Naturkunde

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Die Naturkundliche Abteilung im Dachgeschoss zielt ab auf eine aktive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der heimischen Natur als Voraussetzung für engagiertes Bemühen um Erhaltung und Wiederherstellung des heimischen Lebensraumes für die freilebende Vogel- und Säugetierwelt nach dem Motto: „Anfassen und Weiterfragen“.
In Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Kassel entstand das Konzept für eine kindgerechte Präsentation. Das beginnt bereits mit der Vitrinengestaltung. In erster Linie wurden Dioramen gebaut, weil dabei die Lebensweise der Tiere besser vermittelt werden kann, als bei herkömmlichen Darstellungen. Die „Einblicke“ befinden sich in der entsprechenden Höhe, so dass manch Erwachsener in die Knie gehen muss, um alles genau sehen zu können. Aber auch das kann seinen Reiz haben. Das gemeinsame Entdecken und Erleben steht dabei im Vordergrund. Die Betextung wurde so gestaltet, dass nur die notwendigsten Informationen in gut lesbarer Schrift die Kinder zum Nachlesen animieren. Für ältere Kinder und Erwachsene steht ein Begleitheft mit umfangreichen Zusatzinformationen zur Verfügung.





Volkskunde

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Mit der Absicht, durch Präsentation in Verbindung mit dokumentarischer Hintergrundinformation Themen- und Sachbereiche darzustellen, ist auch der Neuaufbau der Volkskunde vollzogen worden. Hier wurde besonderes Gewicht darauf gelegt, Lebensbedingungen und Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen dieser Region - ausgehend vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit - zu verdeutlichen. Nach sozial- und kulturhistorischen Themen gegliedert, bietet diese Abteilung vielfältige Einblicke:

Die Ausstellungsgruppe „Heimat und Fremde“ knüpft an die Thematik der „Ämterkarten“ an. Objekte zur Entstehung und Veränderung von Grenzen, damit auch von sozialen Beziehungen, wie Exponate, in denen sich die vielfältigen Bedingungen der Ein- und Auswanderer einzelner Bevölkerungsgruppen (Juden, Tagelöhner, Soldaten) im Verlaufe der letzten drei Jahrhunderte spiegeln, werden hier gezeigt.

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Der Bereich der „Bäuerlichen Lebenswelt - Idylle und Realität“ dokumentiert in seinen Objekten aus Landwirtschaft und Handwerk vor einem großflächigen Bild mit Darstellung des Schafhofes, von Schloß und Stadt sowie Arbeitsszenen die Entwicklung vom autarken Bauernhof zur arbeitsteiligen Gesellschaft. Die Gegenüberstellung von adeligem Gutshof und kleinbäuerlicher Landwirtschaft dient der Erfassung der Produktionsverhältnisse und sozialer Strukturen.

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Ausgehend vom Rotenburger Volksaufstand von 1830 widmet sich der Themenschwerpunkt „Obrigkeit und Untertanen“ der Diskussion der Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse und deren ideologischer Absicherung. Dokumente aus der Periode des eigenständigen Fürstentums Hessen-Rotenburg-Rheinfels bietet reiches Anschauungsmaterial.

Weitere volkskundliche sowie sozial- und kulturhistorische Themenbereiche zur sozio-ökologischen Geschichte von Menschen und Raum auf der Grundlage regionaler Gegebenheiten sind:

Die Abteilung von Kinder, Frauen und Männer 1860-1918 dokumentiert die Wertvorstellungen des Bürgertums im „Kaiserreich“. Bürgerlicher Wandschmuck, Gegenstände aus Vereinen, Militär und Schulen des 19. Jahrhunderts wurden in diesem Bereich zusammengestellt.

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Der Abschnitt Rotenburg - Leineweberzentrum: Zwischen Hauswirtschaft und Industrie knüpft an die in der Abteilung „Landwirtschaft“ angesprochene Entwicklung der arbeitsteiligen Gesellschaft an. Anhand der Geräte werden Arbeitsabläufe dokumentiert, aber auch die Bedingungen der ärmsten Schicht der Rotenburger Bevölkerung gezeigt.

Die Ausstellung Kleinstädtisches Handwerk zeigt besonders im Kunsthandwerk unter mehr ästhetischen Gesichtspunkten die kreativen Fähigkeiten des Rotenburger Handwerks beispielhaft an Arbeiten der Schreiner, Zimmerer, Schmiede und Töpfer